Die Magie des Ironman

Jedes Langdistanzrennen, jeder Ironman ist ein Wettkampf. Ein sehr reizvoller Kampf. Im Einklang und völliger Verschmelzung mit mir selbst und der Natur – alles geben, alles rausholen, schnell und noch schneller sein. Doch bei Langdistanzrennen geht es für mich lange nicht nur ums Gewinnen oder das Bessersein. Das ist nur ein Aspekt. Und für mich sogar nur ein ganz oberflächlicher, wenn auch wichtiger.

Jede Vorbereitung auf einen IM ist für mich eine Reise – MEINE neue Reise, MEIN weiterer Weg. Eine Reise, die einem Gemälde gleicht, das sich im Laufe des Saisonaufbaues nach und nach malt. Bei dem der letzte Pinselstrich mit dem Zieleinlauf gesetzt wird. Ähnlich einem Puzzle aus Mosaiksteinchen, das sich langsam und stetig zusammensetzt und bei dem der letzte Stein erst am Wettkampftag – wenn alles gut läuft – in der Gestalt der perfekten Tagesform optimal auf seinen Platz fällt. Nur dass es ein Bild ohne vorgefertigte Teile ist. Ohne dem mechanischen kalkulierbaren Zusammensetzen. Sondern es ist ein im Sein Mitgehen mit der Energie, die im jeweiligen Moment da ist. Körperlich. Mental. Emotional. Wissen und vertrauen, dass es passt wie es ist und wie es kommt. Jeden Schritt genießen.

Eine Reise mit wunderbaren neuen Anforderungen und der Möglichkeit, früher gemachte Erfahrungen erfolgreich und gezielt umzusetzen. Eine Reise, die immer intensiver wird, je näher der Wettkampf rückt. Die viel Geduld und Konsequenz erfordert. Ebenso wie Lockerheit, Gelassenheit und der Fähigkeit komplett abschalten und loslassen zu können.

Jede Reise birgt eine Vielzahl weiterer Erfahrungen, die sich auf jede Ebene meines Lebens auswirken. Jede dieser Reisen ist ein Auseinandersetzen mit mir selbst. Sie stellt mich vor Aufgaben, Herausforderungen, Höhen und Tiefen, denen ich sonst nicht so konstant begegnen würde. Und genau das Erleben und Umgehen mit diesen ist es, was mich anspornt. Was mich wachsen lässt. Das ist es, was für mich das Leben – MEIN Leben – ausmacht. Was es so spannend, wunderschön und großartig macht. Ich liebe es. Jede einzelne Sekunde. Jede einzelne Erfahrung. Keine Sekunde oder Erfahrung möchte ich missen! Ich bin unendlich dankbar und glücklich, dass ich das erleben darf.

Zirka zwei Wochen vor dem Wettkampf entsteht in mir dann dieses fast unbeschreibliche, unglaublich sagenhaft geniale Gefühl. Eine schier unendliche riesige Vorfreude. Gleichzeitig besteht für mich die Kunst darin, meine Energie völlig frei fließen zu lassen und dennoch alles um mich herum immer mehr auszublenden. Ein riesiges euphorisierendes energiegeladenes Schweben und Fliegen mit gleichzeitig voller Erdung. Einem völlig genialen magischen Prickeln und einer wahnsinnigen Leichtigkeit.

Der Wettkampf selbst ist dann das Tüpfelchen am „i“: Jetzt geht es nur mehr einfach ums „Tun“. In der Früh aufstehen, alles loslassen und mich selbst in dieses unglaublich großartige Gefühl der Aufregung, der ungeheuren Vorfreude und Anspannung hinein fallenlassen. Die sensationelle Stimmung, die unendliche positive Energie der Leute und die atemberaubende Atmosphäre vor dem Start in der Früh beim Morgengrauen aufsaugen. Mich selbst damit noch mehr aufladen. Das magische Prickeln und die immense Spannung in der Luft, beides so stark und elektrisierend, dass man sie schneiden könnte. Die vollständige Verschmelzung mit mir selbst und der Natur in vollen Zügen genießen. Die geliebte vollkommene Fokussierung auf den Wettkampf – verbunden mit der unendlichen Weite und Freiheit des Universums.

Und dann der Startschuss. Der Start, alles aus mir herauszuholen. Die vollständige grenzgeniale Entladung über mehrere Stunden. Das konstante push – push – push. Das Auskosten der eigenen Grenzen. Ganz in meiner Mitte sein. Auf die eigene innere gewaltige Kraft vollständigen Zugriff haben. Aus dem Vollen schöpfen. Die eigene Energie völlig frei fließen lassen. Immer besser, je näher ich mir selbst bin. Vollkommen im Hier und Jetzt sein. Die vollständige Fokussierung. Das ist für mich wahrer Genuss! Ich liebe es!!!